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  • Kaminstein eines Kriegsgefangenen

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    Große Freude bei Archiv- und Museumsleiterin Ute Scherb: Von Klaus Gras hat sie einen Ziegelstein überreicht bekommen, in den ein Kriegsgefangener aus Salzwedel (Altmarkkreis, Sachsen-Anhalt) 1946 in Kehl seinen Namen geritzt hat.

    »Benecke Karl Kriegsgefangener Salzwedel 20. August 1946 Dachdeker« ist in deutlich sichtbarer Schrift in den Stein geritzt, den Klaus Gras jüngst an Stadt­archivarin Ute Scherb weitergegeben hat. Jahrelang befand sich der Ziegelstein im Besitz des Kehler Dachdeckermeisters Heinrich Rosendahl. Dieser hatte den Stein beim Abbruch eines Kamins auf dem Dach der historischen Stadtvilla in der Großherzog-Friedrich-Straße 8 entdeckt und sichergestellt. Schließlich übergab er den Stein an Klaus Gras, Gästeführer und Mitglied im Historischen Verein Kehl.

    Karl Benecke sei mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Kriegsgefangenenlager auf dem Läger inhaftiert gewesen, meint Ute Scherb. Eigentlich sei das Lager ein Durchgangslager gewesen, jedoch hätten die Franzosen Handwerker längere Zeit dabehalten, damit sie von diesen Reparaturarbeiten in der Stadt erledigen lassen konnten.

    Als Dachdecker dürfte es Karl Benecke besser ergangen sein als vielen seiner Mithäftlinge, die Hunger leiden mussten: Wer als Handwerker eingesetzt werden konnte, durfte das Lager verlassen und kam draußen bisweilen an Lebensmittel oder erhielt eine Extraration, weil er hart körperlich arbeiten musste.

    Klaus Gras hat bereits erste Recherchen angestellt und her­ausgefunden, dass Karl Benecke zwar inzwischen verstorben, aber in Salzwedel als Dachdecker wohl bekannt ist.

    Weitere Recherchen

    Ute Scherb will zusätzliche Recherchen anstellen und den Stein auf jeden Fall in die geplante Ausstellung »Zwischenzeit – Kehl zwischen 1944 und 1953« aufnehmen, die am 3. Mai im Hanauer Museum eröffnet werden soll. Der Stein sei »ein Objekt, das selber eine Geschichte erzählt – ein Objekt, das spricht«, freute sie sich bei der Übergabe.

    Die Leiterin des Kehler Stadtarchivs und des Hanauer Museums ist jedoch weiterhin auf der Suche nach möglichen Ausstellungsstücken aus der Zeit zwischen 1944 und 1953, also der Periode, in der die Kehler »ausgesperrt« waren und ihre Stadt nicht betreten durften. Wer Dokumente, Objekte aus oder persönliche Berichte über Fluchtgeschichten liefern kann, kann sich bei Ute Scherb unter 07851/787 83 oder per E-Mail an hanauer-museum@stadt-kehl.de melden.

    Alle Objekte werden als Leihgaben behandelt und nach Ende der Ausstellung selbstverständlich zurückgegeben, teilt die Stadtverwaltung mit.
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